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Wie werden die Fledermäuse gefangen?

Keine einfache Aufgabe: Es ist dunkel, die Tiere hören sehr gut und wo fliegen die Tiere gerade herum?

Zur Identifikation der Koloniestandorte werden Bechsteinfledermäuse mit feinsten Nylon-Netzen gefangen. Nur reproduzierende Weibchen werden mit einem Sender versehen und am Folgetag mit einem Peilsender in ihren Quartierbäume lokalisiert. Um Aussagen zu Koloniestandorten und Gruppengrößen weiterer typischer waldbewohnender Fledermausarten treffen zu können, werden, neben der Bechsteinfledermaus, auch Individuen des "Braunen Langohrs" und der "Fransenfledermaus" mit einem Sender versehen und ihre Quartierstandorte ermittelt. Die Ergebnisse können Hinweise zur Vergesellschaftung, ökologischer Nischendifferenzierung sowie möglicher interspezifischer Konkurrenz liefern und somit die Interpretation der räumlichen Verteilung der Bechsteinfledermaus-Kolonien verbessern. Die Beprobung (der Netzfang) erfolgt während der Graviditäts-, Laktations- und Postlaktationsphase der Tiere.

Mit Hilfe der Netzfänge können während der Wochenstubenzeit (vor allem zwischen Mai - August) weibliche adulte Bechsteinfledermäuse, Braune Langohren und Fransenfledermäuse gefangen werden, die wiederum über die Besenderung verfolgt werden können, so dass ihr Quartier-/Koloniestandort lokalisiert werden kann. Mit ihrem Echoortungssystem sind Fledermäuse zwar in der Lage feinste Strukturen zu erkennen, aber unter Ausnutzung des Überraschungseffekts ist es möglich, sie mit feinmaschigen Netzen zu fangen. Netzfänge sind eine anerkannte Methode im Rahmen von Fledermausuntersuchungen.
Im Untersuchungsgebiet wurde mit Japannetzen mit drei bis fünfzehn Metern Länge und drei bis sechs Metern Höhe gearbeitet. Die Netze sind aus schwarzem Nylon mit einer Stärke von 70 Denier gefertigt und haben eine Maschenweite von 16 mm. Sie werden auf 3 bis 8 m hohe Metallstangen aufgezogen, welche entweder mit Expandern an Baumstämmen oder freistehend durch Schnüre und Heringe fixiert werden. Gestellt werden sie in verschiedenen Formationen mit Geraden und Winkeln, zum Teil quer durch den Baumbestand, aber auch entlang von Wegen oder Schneisen mit bis zu 180 laufenden Metern verbundener Netzlängen.
In den Jahren 2014 und 2015 wurden insgesamt über 16.000 m Netze in den Wäldern des Naturparks Rhein-Taunus aufgestellt.

Quelle: Institut für Tierökologie und Naturbildung

Je Fangnacht und Standort werden mindestens 90 m Gesamtnetzlänge innerhalb der Waldbestände gestellt. In der Regel werden Doppelstandorte mit insgesamt 180 m Netzlänge gestellt. Eine Fangnacht dauert von Sonnenuntergang bis in den frühen Morgen. Jeder Netzfangstandort wird durchgehend von mindestens zwei mit der Methode vertrauten Beobachtern betreut, so dass gefangene Tiere sofort befreit werden können. Die Beprobung erfolgt während der Graviditäts-, Laktations- und Postlaktationsphase(1) der Tiere.

Für gefangene Tiere erfolgte eine Bestimmung der Artzugehörigkeit, des Geschlechts, des Reproduktionsstatus und des Alters. Um die doppelte Registrierung im Verlauf einer Fangnacht auszuschließen, wurde eine farbige Markierung der Fußzehenkrallen vorgenommen.

(1) Schwangerschaftsphase – Stillphase und Abstillphase