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Vorgehensweise zur Ermittlung der Lebensraumeignung

Zur Identifikation der Einflussvariablen, die eine Besiedlung durch Bechsteinfledermäuse bestimmen und zur Ermittlung von Landschaftsräumen, die für die Bechsteinfledermaus besonders geeignet erscheinen (Potenzialräume für weitere Kolonien) sowie von weniger geeigneten Flächen (Defiziträume), erfolgte eine Berechnung von Habitatmodellen mit dem Programm Maxent (Version 3.3.3k). Die hohe Belastbarkeit von Maxent-Modellen gegenüber anderen Habitatmodellen ist mehrfach belegt worden. Obwohl in Maxent bereits mit vergleichsweise wenigen Funddaten Modelle generiert werden können, die statistisch belastbar sind, erfolgte im aktuellen Projekt eine Überprüfung des Habitatmodells durch Netzfänge in Waldflächen mit unterschiedlichen Habitateignungs-Kategorien.


Für ein Maxent-Modell werden ausschließlich Präsensdaten und Umweltvariablen benötigt. Grundlage der Berechnung eines Lebensraummodells mit Maxent sind somit reale Verbreitungsdaten, eben hier die kartierten Quartierbäume der Wochenstubenkolonien der Bechsteinfledermaus. Diese werden mit Einflussvariablen wie Landschafts-, Struktur- und Klimadaten verschnitten, um dadurch die relevanten, verbreitungsbestimmenden Faktoren zu analysieren.


Zur Charakterisierung der Habitateignung an den Koloniestandorten und der übrigen Waldfläche konnten folgende vier Datenquellen verwendet werden:

  • Für die Landschaftsanalyse lagen Daten des Amtlichen Topographisch-Kartographischen Informationssystems (ATKIS-Daten, Digitales Landbedeckungsmodell für Deutschland) vor. Nach mehreren Berechnungsverfahren wurden insgesamt 16 Variablen der Landnutzung für die weitere Analyse ausgewählt.

  • Aus den flächigen Höhendaten (Digitales Geländemodell, DGM) wurden sechs Variablen errechnet und verwendet, wie z. B. die Höhe ü. NN., die Hangneigung und Exposition.

  • Für die Analyse der Waldstandorte standen die Forsteinrichtungsdaten (FE) der Kommunalwälder und des Staatswalds zur Verfügung. Aus diesem Datensatz wurden 22 Variablen zur weiteren Modellierung bestimmt (z. B. Hauptbaumart, Baumalter).

  • Als vierte Datenquelle standen Rasterdaten des Deutschen Wetterdienstes 24 mit 44 Variablen zur Auswahl zur Verfügung (z. B. Lufttemperatur, Niederschlag, Trockenheitsindex).

Die Plausibilität der mit diesen Daten berechneten Lebensraummodelle für die Bechsteinfledermaus im Projektgebiet wurde durch eine vierfache Kreuzvalidierung mit 25 % des Gesamt-Datensatzes getestet. Die Berechnung jedes Modells erfolgte mit 1000 Wiederholungsschritten (maximum iterations). Als Gütemaß des Modells wurde die Fläche (area under curve (AUC)) unter der Grenzwertoptimierungskurve (receiver operating characteristics curve (ROC curve)) der Modelle berechnet. AUC-Werte über 0,7 zeigen ein „brauchbares“ Modell an, Modellierungen mit Werten über 0,9 können als sehr gut eingestuft werden. Es erfolgte eine rückwärtige Selektion, indem vom Ausgangsmodell, das alle nicht miteinander korrelierenden Variablen enthielt, schrittweise die Variable mit dem geringsten Erklärungswert aus dem Modell ausgeschlossen wurde. Anschließend wurde anhand des Akaike Informationskriteriums (AIC), das die Komplexität und die Aussagekraft eines Modells im Vergleich zum vorherigen bewertet, das beste Modell mit dem Programm ENMTools Version 1.3 ausgewählt.